Entfaltung im Unerforschten

"Unbekannte Welten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat: So könnte sich der Betrachter beim Erfassen der Werke von Beatrice Richter fühlen. Sie führen in einen irrealen Raum, der ebenso geheimnisvoll wie vertraut erscheint.
Von einem entfernten Standpunkt aus blickt der Betrachter durch ein schwarzes Tondo auf organische Formen und emergente Verwachsungen in einer anderen, unberührten naturähnlichen Umgebung, die sich auf dem Papier entwickelt.
Es ist jedoch eine Welt, in die man nicht hineinkommt.
Sie bleibt unnahbar wie ein abgeschlossenes Biotop und zugleich löst sie den Wunsch aus, sie zu erforschen: Vegetative und lebendige Strukturen wachsen auf einem Grund in eine Schwerelosigkeit hinein, in der sich manche Partikel absetzen und in den Raum entfliehen. Im ersten Moment erinnern die Gebilde an Lebensformen aus der Unterwasserwelt, an Strukturen weit entfernter Planeten oder Mikroorganismen in einer Petrischale, die man durch ein Bullauge, ein Fernrohr oder unter dem Mikroskop entdeckt. (...) Voller Bewegung und Dynamik scheinen die Farbfelder mit den filigranen Zeichnungen auf dem Papier zu schweben. Fast wie bei einem Rohrschach-Test, ein sogenannter Tintenklecks, versucht der Betrachter organische Strukturen und Lebewesen in diesen zu erfassen. (…)
Die Farbigkeit der Werke unterstreicht ebenso den Eindruck der Natürlichkeit: Richter verwendet hauptsächlich gedeckte Erdtöne, bricht diese Palette des öfteren mit der Verwendung eines leuchtenden Orange auf, das den Werken ein besonderes Strahlen verleiht."

Jill Praus, Kuratorin






"Beatrice Richters Arbeiten sind voll zarter Poesie. Sie sind malerische Wanderungen, in denen Strukturen und Farbflächen mit filigranen Zeichnungen kombiniert und erweitert werden. Dabei entstehen lichte, atmosphärische, gleichwohl abstrahierte Landschaften, die zwischen unbestimmter Tiefe und Ausdehnung nach vorn schweben und derart fast schon surreale, zeitlose Räume bilden."

Dr. Stefanie Lucci
Ausstellungskatalog Follow Up 2016 - Aktuelle Positionen aus der Kunstakademie Düsseldorf